Hausbau Organisatorisch / Ablauf

Ist eine Baubegleitung durch VPB oder Bauherrenschutzbund sinnvoll?

Baubegleitung - Verband privater Bauherren - Bauherrenschutzbund - Bauherren Schutzbund

Wir haben uns sehr schnell dazu entschlossen den Bau von einem externen Bausachverständigen begleiten zu lassen. Auch wenn es einen Bauleiter gibt, der den Gewerken auf die Finger hauen soll, vertritt dieser natürlich immer die Interessen seines Arbeitgebers und steht somit automatisch auf der anderen Seite, wenn es einmal zu kritischen Punkten kommt. Und daher war uns wichtig, jemanden vom Fach dabei zu haben, der auf unserer Seite steht.

Im Vorfeld haben wir die Möglichkeiten eruiert. Immer wieder begegnet sind uns dabei die Verbände „Bauherren-Schutzbund e.v.“ und  „VPB –Verband privater Bauherren“. Aufgrund der Gebührenordnung und der Lage des nächstgelegenen Büros zum geplanten Neubau, haben wir uns beim Verband privater Bauherren angemeldet. Der zuständige Sachverständige hat mit uns die Baustelle insgesamt fünf Mal besichtigt, der Bauleiter war dabei auch jedes Mal anwesend. Zu unserer Freude hat er die ersten drei Termine wenig beanstandet, aber immer Dinge, die uns gar nicht aufgefallen wären.

Spätestens bei der Teilabnahme hat sich der Sachverständige für uns als „goldrichtig“ erwiesen. Er hat sich für unsere Rechte stark gemacht und viele Punkte in das Protokoll aufnehmen lassen, die der Bauleiter zunächst nicht aufnehmen wollte. Hierbei ging es u.a. um die schmutzige Fassade von den Verblendarbeiten. Bauleiter: „Liegt am Wetter“. Sachverständiger: „Für das Wetter können die Bauherren nichts, die haben einen sauberen Verblendstein bezahlt“. Und so wurde auch dieser Punkt protokolliert für die spätere Haftungsfrage, sollte die Fassade so bleiben.

Berechnung der Kosten

Da der Sachverständige pro Termin (und Dauer vom Termin) bezahlt wird, solltet Ihr im Vorfeld die Anzahl der empfohlenen Besichtigungen mit ihm besprechen, um daraus die Kosten ableiten zu können.

Uns wurde empfohlen, den Sachverständigen zu vier bis fünf Terminen mitzunehmen. Das kam uns zu Beginn sogar sehr wenig vor, aber es gibt in der Tat viele Abschnitte, bei denen man ihn nicht braucht. Zumal er bei einer Besichtigung sowieso alles prüft, was bis dahin geschehen ist. Deshalb empfiehlt man, die Kontrolltermine zu machen, wenn Dinge passieren, die nicht mehr rückgängig zu machen sind.
Ein Beispiel: Nach dem Verlegen der Fußbodenheizung sollte unbedingt ein Termin stattfinden. Denn der nächste Schritt ist das Gießen vom Estrich, so dass man die Heizung nie wieder sieht und logischerweise auch nicht mehr prüfen kann, ob diese korrekt verlegt wurde.

Pro Termin empfiehlt es sich, etwa 180-200 Euro in dem Budget zu berücksichtigen. Hierbei waren bei uns enthalten der Ortstermin, die Fahrzeit, die Fahrzeugkosten, die Protokollerstellung und die Mehrwertsteuer. Achtung: Es handelt sich um eine grobe Schätzung, die natürlich von Fahrtweg und Dauer der Termine abhängt.

Insgesamt haben wir für unser Bauvorhaben also etwa 1.000€ für die Baubegleitung vor Ort gezahlt, dies war aber wie gesagt sehr früh eingeplant und deshalb auch Bestandteil unserer Kalkulation der Hausbau Kosten.

Mitgliedsgebühr der Verbände

Die Gebühren der beiden Verbände sind unterschiedlich. Gut zu wissen: Der Mitgliedsbeitrag sowie eine Aufnahmegebühr sind für diese Verbände steuerlich absetzbar.

Verband Privater Bauherren
Aufnahmegebühr: keine
Monat 1-6: 15 Euro monatlich
Monat 7- Ende 7. Jahr: 8 Euro monatlich
ab dem 8 Jahr: 4 Euro monatlich

Weitere Infos und Preise findet ihr hier.

Bauherrenschutzbund
Aufnahmegebühr: 52 Euro
ab dem 1. Monat: 11 Euro monatlich

Weitere Infos und Preise findet ihr hier.

Wie sinnvoll ist die Bau Begleitung durch den Verband privater Bauherren oder Bauherrenschutzbund?

Aus unserer Sicht ist die Begleitung durch einen Bausachverständigen durch einen Verband wie den VPB oder Bauherrenschutzbund absolut sinnvoll. Das könnten die besten 1.000€ sein, die ihr jemals ausgegeben habt. Denn die Sachverständigen sehen wirklich Dinge, an die man als Bauherr niemals denken würde. Und logischerweise ist das Fachwissen um ein Vielfaches höher. Und sollte tatsächlich mal irgendwas schlimmeres sein (was bei uns glücklicherweise nicht der Fall war), kann der Bauträger noch eingreifen und für eine Korrektur sorgen.

An vielen Stellen waren wir erleichtert, eine Bestätigung für korrekt ausgeführte Arbeiten zu erhalten. Als besonders sinnvoll erwiesen sich die Termine zur Teilabnahme und zur Hausübergabe. Denn neben der Protokollierung steht der von euch bezahlte Sachverständige natürlich auch auf eurer Seite und setzt sich deshalb für euch ein. Der Bauleiter steht im Zweifel auf der Seite seines Arbeitgebers und gibt sich bei den Mängeln vermutlich entspannt. Er wird von sich aus auch keine Mängel suchen, eure Baubegleitung schaut hingegen sehr genau hin. Nach der Hausübergabe bekommt man wegen nachträglicher Mängel dann zu hören: „Das hätten Sie bei der Hausübergabe melden müssen“. Spart euch den Ärger und investiert lieber das Geld, aus unserer Erfahrung spart das viele Nerven und beruhigt in dieser doch sehr aufreibenden Lebensphase.

Umfang Baubegleitung

Neben den Terminen vor Ort, kann man auch noch weitere Dinge in Anspruch nehmen.

Leistungen bereits vor Unterschrift des Hausbauvertrages/Prüfung der Bauleistungsbeschreibung in Anspruch nehmen? (kostenfreie Beratungsstunde)

Beide Vereine bieten nach der Aufnahme ein kostenlosen Beratungsgespräch an, welches wir in Anspruch genommen haben. Dabei erfährt man, wann die Baubegleitung erforderlich wird. Ein erstes Kennenlernen kann auch nicht schaden, schließlich wird der Gegenüber ein extrem wichtiger Ansprechpartner für euren Hausbau, so dass Sympathie und Vertrauen absolut wichtig sind. Sollte die Wellenlänge mit dem Ansprechpartner überhaupt nicht harmonieren, kann rechtzeitig nach einer Alternative geschaut werden.

Wie oft sollte die Baustelle gemeinsam begutachtet werden?

Wie oben beschrieben, wurden uns 4-5 Termine empfohlen. Es besteht auch die Möglichkeit, die Bebaubarkeit des geplanten Grundstücks im Vorfeld gemeinsam zu überprüfen. Ist das Grundstück erst vom Notar beglaubigt, gibt es kein zurück mehr. Die Bauträger werden ggf. nicht den entscheidenden Hinweis geben und auf entstehende Zusatzkosten durch z.B. mangelnde Bodenqualität hinweisen, denn diese sind nur daran interessiert, einen Vertrag zum Abschluss zu bringen.

Auch besteht die Möglichkeit, den Hausbauvertrag vor der Unterschrift prüfen zu lassen. Ohne Erfahrung kann schnell etwas übersehen werden (wer kennt schon die ganzen Paragrafen?), was später zu viel Ärger, Diskussionen und auch Verzögerungen führen kann. Vor der Unterschrift lässt sich noch vieles anpassen. Um einen Abschluss zu erzielen, ist ein gewisses Entgegenkommen der Bauträger sehr wahrscheinlich, solange es im Rahmen bleibt oder auch gesetzlich vorgeschrieben ist.

Wie laufen die Baustellenbegehungen ab?

In der Regel werden vom Sachverständigen Abschnitte für eine gemeinsame Begehung der Baustelle empfohlen. Wenn man die kennt, kann man gut einen Termin mit dem Bausachverständigen und dem Bauleiter abstimmen. Der Bauleiter muss nicht dabei sein, aber es ist natürlich vom Vorteil. Denn so kann er zum einen fachliche Fragen vom Sachverständigen beantworten, die eventuellen Mängel selber beurteilen und bei den entsprechenden Gewerken melden, um diese beheben zu lassen. Im Anschluss erhaltet ihr als Bauherren ein Protokoll, welches auch an den Bauträger weiter gegeben werden kann. Idealerweise werden die Fehler bis zum nächsten Termin behoben, was beim nächsten Termin immer zunächst geprüft wird.

Fazit zur Baubegleitung durch den VPB

Wir sind sehr zufrieden mit unserem Bausachverständigen vom Verband privater Bauherren aus Pinneberg. Er hat uns eine gewisse Sicherheit gegeben, wo uns als Laien die Erfahrung fehlte. „Echte“ Mängel wurden erst ab dem dritten Termin sichtbar und entsprechend dokumentiert. Am Anfang waren wir dankbar für ein gutes Gefühl und entspannte Nächte, da nichts gefunden wurde. Später waren wir froh über seine wachen Augen und die jahrelange Erfahrung, die uns in einigen Entscheidungen halfen.

Wir würden jederzeit wieder eine Baubegleitung in Anspruch nehmen und können nur jedem empfehlen, dies zu tun. Im Verhältnis zum Gesamtpreis vom Haus sind die Kosten minimal und sehr gut angelegt. Bei Problemen die nach Fertigstellung gegebenenfalls noch auftauchen, würden wir ohne lange zu überlegen wieder Kontakt aufnehmen und uns beraten lassen.

  1. Hallo Lene,

    danke für den umfassenden und sachlichen Vergleich. Ich fand ihn sehr hilfreich.
    LG Birgit

  2. Melanie Müller

    Hallo Kaufvertrag haben wir bereits unterschrieben, sinnvoll jetzt noch einen Sachverständiger zu beauftragen, vertraglich kommen wir ja nichtmehr raus. Würden sie einen selbständigen empfehlen oder eher og Verband? Bei og Verbände sind ja die Leistungen soweit gleich oder sehe ich das falsch? Sinnvoll wäre es wahrscheinlcih sich zu entschieden, welcher Sachverständiger am nähesten an dem Baugebiet liegt oder ?

    Lg M.Müller

    • Christian

      Hallo Melanie,
      wir haben es so gemacht, wie Du vermutest und einfach geschaut, wer näher dran war.
      Unabhängig von den Verträgen, würde ich dennoch einen Bausachverständigen empfehlen, der euch auf der Baustelle unterstützt und die Abnahmen begleitet, auf Mängel hinweist, etc.
      Gruß, Christian

  3. Hallo Lene,

    vielen Dank für den Beitrag – die Aussagen decken sich mit denen von befreundeten Bauherren.

    Können Sie eine Aussage treffen über die Haftung des BSB eV bzw. des Baubegleiters im Falle dessen, dass sich später (ggf. kostspielige) Mängel herausstellen, die der Baubegleiter hätte sehen müssen/können?

    Vielen Dank und beste Grüße

    Daniel

    • Christian

      Hallo Daniel,
      davon haben wir leider keine Ahnung, das müsstest ihr mal direkt bei den Verbänden anfragen.
      Wir haben die Begleitung in Anspruch genommen, weil sie einfach deutlich erfahrener sind und deshalb auch auf ganz andere Dinge geachtet haben, als wir.
      Gruß, Christian

  4. Hallo,

    Vielen Herzlichen Dank an der Stelle für Ihre tolle Webseite mit wertvollen Infos,

    ich zitiere “ An vielen Stellen waren wir erleichtert, eine Bestätigung für korrekt ausgeführte Arbeiten zu erhalten“

    aber ich als Laie werde doch vom Anfang an grobe Fehler machen, also muss ich vorher sag ich mal „einen Kurs für Bauherren“ besucht haben, wo die Fragen

    geklärt werden können z.B. wie man baut, wie man die Röhre verlegt und und und…“

    dann nachher macht es Sinn auch eine Baubegleitung zu beauftragen,?

    wahrscheinlich ihr hattet bereits Erfahrung oder seid Handwerker etc..

    LG Leon

    • Hallo Leon,

      nein, wir hatten auch keine Erfahrungen und sind auch beides keine Handwerker.

      Mit “An vielen Stellen waren wir erleichtert, eine Bestätigung für korrekt ausgeführte Arbeiten zu erhalten“ ist folgendes gemeint: Die ganzen Gewerke verrichten ja Ihre Arbeiten und sagen immer, dass alles top erledigt ist. Der Bauleiter schaut sich das dann an und sagt dir auch, dass alles in Ordnung ist.

      Meine persönliche Meinung: Der Bauleiter hat auch nicht das größte Interesse, dass die Arbeiten noch mal gemacht werden, weil er seinen Zeitplan durchsetzen möchte. Außerdem muss er sich um eventuelle Mängel kümmern und vielleicht sogar Kosten übernehmen.

      Was wir damit also meinten: Es war schön, jemanden an unserer Seite zu haben, der nicht vom Bauträger bezahlt wird und deshalb unsere Interessen vertritt. Und in unserem Fall war es so, dass die meisten Dinge tatsächlich gut gemacht waren, was uns der Sachverständige bestätigt hat. Und das ist angenehm und beruhigend gewesen. Denn da wir nicht vom Fach sind, hätte man uns natürlich alles Mögliche erzählen können.

      Gruß
      Christian

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