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Die Auswahl ist riesig – Tipps für die Auswahl der richtigen Innentüren

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Wenn der Boden verlegt ist und die Wände gestrichen sind, kommen die Türen an die Reihe. Aber welche Türen? Innentüren, das ist klar. Holz, Kunststoff, Vollblatt oder Rahmen? Weiß, tapeziert oder in Holzfarben? Selbst wenn es perfekt auf die Inneneinrichtung abgestimmt sein soll, gibt es tausende Möglichkeiten!

Wir waren uns damals relativ schnell einig, für uns waren zwei Dinge wichtig:

  • Christian will zeitlos schöne, schlichte Türen. Die sollen auch zur fünften neuen Inneneinrichtung in 20 Jahren noch passen.
  • Ich will Türen, auf denen ich nicht jeden Fingerabdruck sehe, wenn die Kinder durchs Haus flitzen. Klavierlack zum Beispiel ist chic, aber alles andere als pflegeleicht.

Mit diesen zwei Vorgaben sind wir, gutgläubig und entspannt, zum Fachmann gegangen. Zwei Stunden, dachten wir, länger würde es schon nicht dauern. Dachten wir, wie gesagt. Es dauerte. Und zwar sehr viel länger. Wir waren unschuldig. Jetzt wissen wir es besser 😉

Nach zwei Stunden wussten wir immerhin, dass Türen eine Wissenschaft für sich sind und dass man es eigentlich gar nicht richtig machen kann. Denn irgendeinen Haken gibt es immer. Um es kurz zu machen: Der Fachmann schmiss nicht nur mit Fachausdrücken um sich, rollte theatralisch mit den Augen und blies ob unserer Unwissenheit die Backen auf, sondern er beriet uns auch. Und zwar sehr kompetent.

Die Kurzfassung: Das sind die wichtigsten Fakten!

Zimmertüren werden nach glatten Türen und nach Rahmen-Innentüren unterschieden. Glatte Türen erklären sich selbst, Rahmen-Innentüren haben ein ausgeschnittenes und mit einem anderen Material ausgekleidetes Fenster. Meist ist das Glas oder Acrylglas, man kann also hindurchsehen.

Das Material ist klar: Massivholztüren sind etwas kostenintensiver, Holzwerkstoffe werden für die kostengünstigeren Türen genutzt. Abhängig davon, wie der Holzwerkstoff gearbeitet ist und welche Einlage oder Füllung die Tür hat, variieren die Eigenschaften der Tür. Das bedeutet aber auch, dass Füllung und Oberflächenmaterial nach der Funktion der Tür gewählt werden und keine reine Glaubensfrage sind. Und natürlich kauft man idealerweise Tür und Zarge zusammen, denn die beiden müssen zueinander passen.

Die Qualität einer Tür hat mit der Erscheinung nicht viel zu tun: Beschichtungen, Folien und Drucke lassen, übertrieben ausgedrückt, eine Pressspanplatte heutzutage wie gehämmertes Silber erscheinen, wahlweise wie antikes Olivenholz oder ähnliche Spielereien. Die Optik ist also ganz klar von der Qualität zu trennen. Qualität bedeutet für eine Innentür, dass sie stabil ist und einen ausreichenden Wärme- und Schallschutz bietet.

Die Auswahl der richtigen Innentür: Mit Fragen zum Ziel

Unser Tür-Berater erwies sich nicht nur als eloquent, sondern als aufgeschlossen. Männern sagt man ja immer nach, dass sie nie fragen, wenn sie etwas nicht wissen. Der Türen-Fachmann fragte. Es scheint, man kommt nur über die richtigen Fragen zur passenden Tür. Das wollte er alles von uns wissen:

  • Wie oft und wie stark wird die Tür beansprucht? Also konkret: Wie oft wird sie geöffnet und geschlossen?
  • Muss die Tür stabil sein, beispielsweise weil sie von wutschäumenden Teenagern zugeschmissen wird?
  • Soll die Tür über einen Lichtausschnitt verfügen, also eine Rahmen-Innentür sein? Wenn ja: Wie viel Licht soll denn in das Zimmer dahinter fallen? Je mehr, desto größer muss logischerweise der Lichtausschnitt sein.
  • Welche Zimmer befinden sich beidseitig der Tür?

Die letzte Frage ist besonders interessant. In meiner Erfahrung sind die Türen in einer Wohnung oder einem Haus möglichst einheitlich gehalten. Egal, wie viele Türen es gibt: Das Design ist bei allen gleich. Aber die Funktion ist es eben nicht. Denn eine Tür, die zum Badezimmer oder zur Küche führt, muss mit Feuchtigkeit klarkommen. Holztüren müssen also entsprechend versiegelt sein. Die Tür zum Schlafzimmer dagegen braucht einen guten Schallschutz, falls einer der Erwachsenen ein großer Schnarcher ist (bei uns zum Glück nicht!).

Der Wärmeschutz muss auch bedacht werden, Beispiel Schlafzimmer: Dort ist es meist etwas kühler. Hier halten wir uns tagsüber nicht auf, und wir schlafen gerne kühl. Das Badezimmer, das Wohnzimmer, die Kinderzimmer und sogar der Flur dazwischen sind aber normal beheizt. Die Tür braucht also eine gute Wärmedämmung, damit die Kühle im Schlafzimmer und die Wärme in den anderen Räumen bleibt.

Sonderfall Wohnungseingangstüren

Das trifft bei uns zwar nicht zu, aber der Fachmann klärte uns trotzdem auf: Wohnungseingangstüren sind auch Innentüren, es sind keine Haustüren wie beim Haus. Sie müssen aber ein Höchstmaß an Sicherheit garantieren und in Stabilität und Sicherheitstechnik an Wohnungstüren heranreichen – bei der Optik einer Zimmertür. Hier kommen normalerweise Sicherheitstüren zum Einsatz, die es nur im Fachhandel gibt.

Wie öffnet man die Tür?

Das war auch so eine Frage von unserem Berater, mit der ich erst einmal nicht viel anfangen konnte. Wie öffnet man eine Tür? Mit der Klinke natürlich! Aber das meinte der Herr gar nicht. Es ging darum, ob wir Anschlagtüren oder Schiebetüren in unserem Haus haben wollen.

Schiebetüren scheinen in den letzten Jahren extrem beliebt geworden zu sein. Optisch sind die auch ansprechend, keine Frage – da ist vom Material und von der Oberflächengestaltung her einfach viel mehr möglich als bei einer Anschlagtür. Schiebetüren nehmen, weil sie keinen Schwenkbereich benötigen, weniger Platz weg. Beim Hausbau könnte man sie sogar in der Wand “verschwinden” lassen.

schiebetueren sehen toll aus und sind platzsparend haben allerdings nachteile beim schall und waermeschutz

Allerdings haben wir uns (ganz altmodisch) für Anschlagtüren entschieden. Das ist einfach neutraler, die Türen vermitteln mehr Privatsphäre und bilden einen klaren Abschluss.

Holz oder Holzwerkstoff, das ist hier die Frage

Holz hat viele Vorteile, es ist außerdem die klassische Variante. Die Optik von Massivholz ist unschlagbar, und das Holz hat natürliche schalldämmende und wärmedämmende Eigenschaften. Deshalb war mir eigentlich klar, dass die Türen aus Holz sein würden. Was mir nicht zu 100% klar war:

Holz ist gegenüber einer sich verändernden Luftfeuchtigkeit und gegenüber Temperaturschwankungen empfindlich. Das Holz – ein organisches Material – arbeitet. Es quillt auf, schrumpft wieder, nimmt Feuchtigkeit auf, bildet Risse beim Abgeben von Feuchtigkeit. Und es verzieht sich. Holztüren hängen gerne mal fest, lassen sich nicht mehr richtig schließen oder verformen sich so, dass der Schall- und Wärmeschutz schnell dahin ist.

Bei Holzwerkstoffen soll das nicht passieren. Denn da kommt Massivholz meist nur (wenn überhaupt) im umlaufenden Rahmen zum Einsatz. Die Tür wird aus Spanplatten oder hochdichten Faserplatten gefertigt, manchmal auch aus mitteldichten Faserplatten. Diese Materialien arbeiten nicht, sie sind absolut formstabil. Die Tür verzieht sich also nicht, wenn sie aus Holzwerkstoffen besteht.

Außerdem gelten Holzwerkstoffe als sehr nachhaltig. Denn hier werden kleine und kleinste Holzpartikel verarbeitet, die anderweitig höchstens noch zum Verbrennen taugen würden. Massivholztüren dagegen werden aus großen Brettern geschnitten. Das ist im Vergleich zu Kunststoffen immer noch eine nachhaltige Lösung – aber Holzwerkstoffe sind das eben auch.

innentueren mit fensterelementen sind ideal um licht in den raum zu lassen

Landhausstil? Nicht für Christian!

Robust und rustikal sind zwar nett, aber Christian hat seinen Standpunkt klar gemacht: Die Türen sollen neutral sein. Landhausstil ist nicht drin. Damit bin ich einverstanden, denn die feinen Rähmchen und die Profilierung einer solchen Tür ist immer ein Staubfänger und damit das Gegenteil von pflegeleicht. Einzig ein Punkt hat mich zum Nachdenken gebracht: Nicht alle Zimmer sind gleich hell und vor allem der Flur dazwischen hat ja meist weniger Licht. Rahmen-Innentüren mit Glaseinsatz würden da für bessere Lichtverhältnisse sorgen. Allerdings sieht man auf Glas wieder jeden Fingerabdruck, und das würde dann auch mich stören.

Da wir uns auf moderne, glatte Oberflächen geeinigt hatten, sind wir letztendlich auch dabei geblieben. Diese Türen wirken allesamt sehr modern und strahlen einen schlichten, zeitlosen Chic aus. Mir war die Oberfläche noch wichtig. Wir hatten die Wahl zwischen Dekor oder Lack, Laminatbeschichtung (kurz CPL) oder Echtholzfunier sowie Massivholz. Jede Oberfläche hat Vor- und Nachteile:

  • Dekor ist toll für häufig und vor allem stark beanspruchte Innentüren, denn die Folienbeschichtung ist einfach pflegeleicht und ist sogar in Holzmaserung erhältlich. Einziger Nachteil: Stöße und Kratzer verträgt die Folie nicht gut.
  • Lack schimmert seidenmatt oder glänzt elegant. Diese Oberfläche lässt den Raum durch den glänzenden Effekt immer größer und heller wirken. Weißlack ist ganz modern, aber darauf sieht man wirklich jedes Stäubchen und jeden Fingerabdruck. Ansonsten ist die Oberfläche pflegeleicht und strapazierfähig.
  • CPL sieht aus wie Echtholz, ist aber Laminat. Die Oberfläche ist widerstandsfähig und pflegeleicht. Durch die natürliche Holzmaserung fällt nicht auf, ob die Tür gerade mit eingecremten Fingern aufgestoßen wurde. Allerdings verändert so eine Oberfläche im Laufe der Jahre ihren Farbton, ganz wie echtes Holz auch.
  • Maserholz wirkt wie Funier oder Laminat warm und angenehm. Die Holzmaserung macht jede Tür zu einem Unikat, das Holz ist robust und stabil.

Die inneren Werte

Nachdem jetzt so viele Worte zur Oberfläche gefallen sind, soll es noch um das Innenleben gehen. Innentüren werden oft mit Wabenkerneinlagen gestaltet. Das ist kostengünstig, allerdings nicht so stabil. Die Schall- und Wärmeisolierung ist bei Wabenkerneinlagen nicht so gut. Qualitativ sehr hochwertig sind dagegen Röhrenspaneinlagen, die langlebig sind und super isolieren. Massivholz-Füllungen sind zwar nett und nachhaltig, dazu auch noch kostengünstig, aber sie bilden schnell Risse und verziehen sich. Wer Massivholz will, aber auf diese Nachteile verzichten kann, finden bei den kostenintensiveren schichtverleimten Füllungen eine Alternative.

Das war eine ganze Menge, was wir da gelernt haben. Tatsächlich ist die Entscheidung für unsere Türen denn auch nicht gleich gefallen, sondern wir sind erst einmal nach der langen Beratung nach Hause gegangen. Das muss alles erst einmal sacken, wir werden die ein oder andere Nacht drüber schlafen.

Wir – ein junges Paar Anfang 30 aus Hamburg – hatten die Idee von der überteuerten Mietwohnung in Hamburg auf Eigentum umzusteigen. Auf unserem Blog schreiben wir seit dem über unsere Erfahrungen mit dem Hausbau und dem Leben im Einfamilienhaus mit Garten. Christian ist dabei eher für organisatorische Dinge und das "Grobe" verantwortlich, sowohl im Haus, als auch im Garten. Lene kümmert sich dabei um die Innenausstattung, Deko, Pflanzen und alles, was wir zum Wohlfühlen so brauchen :-)

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