Jeder, der ein eigenes Haus bauen möchte, macht sich Gedanken über die richtigen Baustoffe. Das beginnt beim Fundament und endet bei den Themen Innenausbau und Dachdeckerei noch lange nicht. Immer häufiger setzen Bauherren dabei auf natürliche Stoffe wie Holz, Lehm und Stroh. Das mag auf den ersten Blick wie mittelalterliches oder gar steinzeitliches Bauen wirken, doch selbstverständlich haben sich die Baumaterialien in den letzten Jahrhunderten weiterentwickelt. So ist die Arbeit mit nachwachsenden Rohstoffen unter ökologischen Gesichtspunkten ausgesprochen sinnvoll. Zudem ist es möglich, zwischen verschiedensten Baustoffen für verschiedene Zwecke zu wählen.

Holz und andere Naturmaterialien sind beim Hausbau seit jeher sehr gefragt
Holz und andere Naturmaterialien sind beim Hausbau seit jeher sehr gefragt / ©Nomadsoul1 – depositphotos.com

Vorteile natürlicher Baustoffe

Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen haben gegenüber herkömmlicher Varianten den Vorteil, tendenziell weniger gesundheitsschädlich zu sein. Chemische Stoffe wie das allseits bekannte Asbest haben in den letzten Jahren unter anderem zu Kreislauf- und Krebserkrankungen sowie Allergien bei Bewohnern und Nutzern entsprechend ausgestatteter Häuser geführt. 1993 wurde der Baustoff daher in Deutschland verboten.

Natürliche Werkstoffe hingegen bergen zwar auch ein geringes Allergierisiko, die Gefahr kann allerdings gemindert werden, wenn Bewohner sich vorab Allergietests unterziehen. So können Betroffene gezielt Materialien nutzen, deren Inhaltsstoffe für sie ungefährlich sind. Fakt ist: Die mit der Herstellung und Lieferung von nachwachsenden Rohstoffen aus regionalem Anbau verbundenen CO2-Emissionen sind wesentlich geringer als die herkömmlicher Rohstoffe.

Die Dämmung – verschiedene Möglichkeiten

Gerade im Bereich der Fassadendämmung eines Hauses gibt es viele Möglichkeiten, natürliche Baustoffe einzubinden. Mögliche Naturstoffe für die Dämmung sind Holz, Stroh, Hanf oder Cellulose. Sie alle bieten einen entscheidenden Vorteil gegenüber herkömmlichen Materialien, die zur Dämmung verwendet werden: Sie können große Mengen an Feuchtigkeit aufnehmen und regulieren automatisch das Raumklima. Häuser, die mit klassischen Stoffen wie Steinwolle gedämmt sind, müssen in vielen Fällen manuell ent- oder befeuchtet werden. Hier besteht die Gefahr der Schimmelbildung, die bei alternativen Baustoffen nicht auftritt.

Hanf zur Dämmung

Industriefaserhanf findet derzeit international als Baustoff ein immer größeres Einsatzgebiet. So wurde in Rumänien kürzlich das erste „Hanfhaus“ gebaut. Auch in Deutschland werden Hanfprodukte als Dämmstoffe immer beliebter. Sie eignen sich zur Wärme- und Schalldämmung, wirken feuchtigkeitsausgleichend, isolierend und sind überaus robust.

Stroh in den Wänden

Stroh ist als Baustoff besonders günstig. Es kann in Form von Strohballen zur Dämmung von Außenwänden innerhalb von Holzkonstruktionen eingesetzt werden. Der einzige Nachteil bei der Verwendung von Stroh: Der Arbeitsaufwand ist größer als bei einer Ziegelmauer, da die Strohballen einzeln zunächst in Form gebracht und dann trocken eingesetzt und verputzt werden müssen. Allerdings kostet ein Strohballen im Schnitt nur einen Euro, sodass Bauherren hier gehörig sparen.

Heu als Dämmmaterial beim Hausbau
So verrückt es klingen mag: Stroh ist als Baustoff perfekt für die Fassadendämmung geeignet. Er ist günstig, einfach in der Beschaffung und nimmt Feuchtigkeit sehr gut auf. / ©Fotofabrika – depositphotos.com

Cellulose dämmt wirkungsvoll

Cellulosefasern werden aus Altpapier gewonnen und zur Verbesserung des Brandschutzes vor der Verwendung mit Borsalz behandelt. Dennoch gilt Cellulose als Dämmstoff gesundheitlich unbedenklich. Cellulose bietet die Vorteile, einerseits sehr formbeständig und andererseits flexibel zu sein. Auch die Wärmedämmung ist, ähnlich wie bei den anderen genannten Stoffen, sehr gut. Allerdings sollten Bauherren vor dem Einsatz von Cellulose bedenken, dass diese Fasern vor Feuchtigkeit geschützt werden müssen.

Holzdämmung reguliert Raumfeuchtigkeit sehr gut

Auch Holz kann für die Dämmung verwendet werden. Dämmstoffe aus Holz schützen den Innenraum im Sommer vor allzu großer Hitze und können das Raumklima regeln. Bei Bedarf gibt das Holz die zuvor gespeicherte Feuchtigkeit an den Raum ab. Aufgrund dieser und weiterer Eigenschaften hat Holz noch viele weitere Verwendungen im Hausbau gefunden.

Holz ist der vielseitige Klassiker

So richtig aus der Mode ist Holz als Baustoff nie gekommen. Schließlich gibt und gab es immer schon Häuser, die vorrangig auf tragende Wände aus Holzkonstruktionen gesetzt haben. Und da die Holzvorräte deutscher Wälder im letzten Jahrzehnt um sieben Prozent angestiegen sind, besteht die Chance, Holz auch heute noch auf vielfältige Weise im Hausbau zu nutzen:

  • Bohlen, Bretter und Latten werden in vielen Projekten verwendet, bei uns beispielsweise bei der Außentreppe
  • Fußböden, Fußleisten, Türen, Fenster, Decken und Paneele aus Holz sind nach wie vor modern.
  • Gartenmöbel, Zäune, Carports und Terrassen sind weitere Verwendungsmöglichkeiten für Holz.

Holz hat als Baustoff einzigartige Vorteile. Es ist besonders langlebig, atmungsaktiv und strapazierfähig. Bei der Herstellung von Holzprodukten entsteht wenig bis gar kein Abfall, da alle Restprodukte weiterverwertet werden können. Dies führt zu einer besonders guten CO2-Bilanz, wie sie nur wenige andere Stoffe aufweisen.

Verputzen mit Lehm anstelle von Gips

Schon bei Fachwerkhäusern verwendeten Bauherren seit jeher Lehm, um die Wände zu verputzen. Als der Hausbau moderner wurde, verschwanden die lehmverputzten Wände. In den letzten Jahren greifen nun immer mehr Bauherren wieder auf diesen natürlichen Rohstoff zurück, da er, ähnlich wie die natürlichen Dämmstoffe, die Luftfeuchtigkeit im Innenraum konstant auf einem gesunden Niveau hält. Dabei gilt: Je dicker die Lehmschicht, desto besser die Regulierung. Im Idealfall bleibt die Luftfeuchtigkeit konstant bei 50 Prozent.

Lehm absorbiert darüber hinaus Rauch, Ausdünstungen und andere Schadstoffe, sodass die Bewohner von Häusern mit Lehmputz seltener an Allergien oder Erkältungen leiden. Auch Schimmelbildung wird mit Lehmputz vermieden. Lehm kann auf fast allen Untergründen aufgetragen werden und eignet sich dementsprechend für die meisten Hausbauprojekt.

Bauherren müssen allerdings bedenken, dass Lehmputz nicht ganz so hart wie herkömmlicher Putz wird. Das wirkt sich auf nachfolgende Bauprojekte aus, bei denen in die Wände gebohrt werden soll. Im Zweifel setzen Hausherren auf Unterkonstruktionen, bevor Hängeschränke montiert werden.

Herkömmliche Materialien sind immer noch gefragt

Neben all den Möglichkeiten, die Naturmaterialien bieten, gibt es trotzdem einige Bereiche, in denen Bauherren auf herkömmliche Baustoffe setzen. So ist darauf zu achten, dass das Fundament des Hauses aus Beton besteht, da auf diesem das gesamte Gewicht des Hauses lastet. Ein Betonfundament ist dementsprechend sicherer als eines aus anderen Substanzen. Auch bei der Dachkonstruktion ist der klassische Dachziegel den natürlichen Varianten vorzuziehen. Wenn das Dach von einem Profi gedeckt wird, kann aber auf Folienbahnen zur Abdichtung verzichtet werden, da das Dach in jedem Fall dicht sein sollte.

Dachziegel schützen vor Nässe und Kälte
Ein mit normalen Dachziegeln gedecktes Dach bietet Schutz vor Nässe und Kälte. Das Dachdecken sollten Bauherren allerdings von einem Profi durchführen lassen, der für die Arbeit in luftiger Höhe geschult ist. / ©viki2win – depositphotos.com

Egal, welche Art von Baustoffen Bauherren verwenden wollen, es ist immer darauf zu achten, dass diese von der Bauaufsicht zugelassen sind. Das bedeutet nämlich, dass sie geprüft sind und dass die Verwendung bedenkenlos erfolgen kann.

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